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Mit Wirkung zum 31. Juli 2009 schließe ich meine Kanzlei und werde mindestens ein Sabbatjahr einlegen.
Ich bedanke mich bei Ihnen allen, die in den vergangenen 7 Jahren Ihr Vertrauen in mich als Anwalt gesetzt haben. Durch meine Spezialisierung auf internationales Familienrecht habe ich viel über andere Kulturen und Ländern lernen können. Es war eine großartige Erfahrung. Ich bin besonders stolz auf all die Fälle, in denen wir es gemeinsam geschafft haben, eine Trennung und Scheidung so durchzuführen, daß Ihre Kinder möglichst wenig dadurch belastet werden und nach denen Sie und Ihr Ex-Partner noch immer miteinander reden und als Eltern zusamen arbeiten konnten. Ich werde auch niemals die Fälle vergessen, in denen es mir gelang, Ihr Kind zu Ihnen zurückzubringen, nachdem es in ein anderes Land entführt worden war.
Und schließlich hat mich die Arbeit im Familienrecht darin bestärkt, niemals selbst zu heiraten oder eine Familie zu gründen :-)
Meine Entscheidung, für eine Weile mit der Arbeit aufzuhören, wurde sicher beschleunigt durch die Ereignisse im Iran im Juni 2009:
Ich war in den Iran gereist, um die historische Situation während der Proteste gegen die Wahlfälschung zu beobachten. Ich wurde nicht nur während einer Demonstration von der iranischen Polizei mehrfach geschlagen, sondern ich wurde auch verhaftet, als ich mich mit einem iranischen Rechtsanwalt traf. Ich wurde vom iranischen Inlandsgeheimdienst verhaftet und verhört. 6 Tage verbrachte ich im Evin-Gefängnis in Teheran, ohne daß irgendjemand außerhalb des Gefängnisses von meinem Aufenthaltsort und meiner Situation wußte. Auch ich selbst erhielt keinerlei Informationen. Ich war in Einzelhaft, mußte auf dem Boden schlafen, und bei jedem Verlassen der Zelle wurden mir die Augen verbunden. Zeitweise hatte ich mich schon an den Gedanken gewöhnt, die nächsten paar Jahre in diesem Gefängnis zu verbringen.
Nur durch enormes Glück wurde ich freigelassen.
Nach dieser Erfahrung haben sich die Prioritäten in meinem Leben verändert.
Einige der Probleme, mit denen ich als Anwalt zu tun hatte, erscheinen mir plötzlich kleinlich und ziemlich unwichtig.
Jetzt wo ich jeden einzelnen Tag in Freiheit schätze, möchte ich mich mehr auf meine eigene persönliche Entwicklung konzentrieren und meinen Interessen in Literatur, Geschichte, Politik, Philosophie und Reisen nachgehen. Es gibt einfach noch zu viele Dinge, die ich in meinem Leben machen möchte, als daß ich damit bis zum regulären Rentenalter in 30 Jahren warten kann.Mit den besten Grüßen,
Andreas Moser
(andreas.moser@asamnet.de)
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